Spielleute im Spielplatzhaus – 15 Jahre Totentänzer-Jubiläumstreffen

Totentänzer Jubiläumstreffen

Der Wecker klingelt um sechs Uhr. Im Zimmer ist es dunkel, aber ich weiß sofort: Es ist nicht mein Zimmer. Wo bin ich?

Dunkel erinnere ich mich an einen seltsamen Traum, der mit einer Zirkusvorstellung mit Clowns, Akrobaten und Saltatio Mortis begann und mit einer halsbrecherischen Taxi-Fahrt im Wagen eines indischen Taxifahrers endete, der sich Straßenduelle mit Bussen lieferte und dessen einzig verständlicher Wortbeitrag ein akzentfreies „Gib Gas, Mann!“ war. Sehr skurril. Und erstaunlich plastisch.

Ach ja. Ich bin im Hotel. Gestern war Dernière. Und der Wecker klingelt, weil ich in Kürze mit den anderen Kleeblättern und einer Schar freiwilliger Helfer verabredet bin, um das Spielplatzhaus an der Waldbühne für das Clubtreffen klar zu machen. 15 Jahre Totentänzer-Fanclub – mein Gott, bin ich alt geworden mit dieser Band und der wohl lustigsten und verschworensten Fan-Gemeinde aller Zeiten.

Ich erwürge den Wecker und mache mich bereit für die Anreise zum Spielplatzhaus, das laut Karte nur etwa eine Viertelstunde Fußweg einen Waldweg entlang gelegen ist. So ein erfrischender Waldspaziergang macht wach und munter!

Viertel nach sieben keuche ich mitsamt Reisetasche und FC-Utensilien durchs Bergische Land und begreife langsam, woher die Region ihren Namen hat. Immerhin: Ohne mich im Wald zu verlaufen erreiche ich „unsere Location“ (was klingt das professionell!). Ich bin die erste, habe aber nur fünf Minuten Verschnaufpause, da tuckert die Black Pearl die Steigung hinauf. Kleeblatt Claudia nebst Familie und Anhang trifft ein und bringt die Schlüssel mit. Wir fallen in das Spielplatzhaus ein und sichten die Örtlichkeit. Große Überraschung: In dem Gebäude, das auch als Kindertagesstätte genutzt wird, ist der große Saal nach einem Zirkusthema gestaltet. Wenn das kein gutes Zeichen ist!

Während wir mit kleineren technischen Problemen kämpfen („Wie geht der Fensterladen auf?“), überlegen, wie wir Stühle und Tische aufstellen und uns auf die erste Kanne Kaffee stürzen, trudelt auch der Rest der Crew ein: Tallith, Fya, Cori und weitere Helferlein stoßen zu uns und bringen den Rest der benötigten Requisiten mit.

Blasen für die Totentänzer

Wir schwärmen aus, und die nächsten Stunden sind wir Hand in Hand und ohne jedes Chaos damit beschäftigt, aus dem Spielplatzhaus eine Totentänzer-Basis zu machen. Da werden Tische gerückt, gedeckt und dekoriert, Besteck und Geschirr gesichtet und gespült, Luftballons aufgepustet („Blasen für die Totentänzer!“) und Wege ausgeschildert. Man sollte meinen, wir hätten niemals etwas anderes gemacht. Allerdings haben wir bei diversen Konfektionierungs- und Packaktionen schon oft Gelegenheit gehabt, das Hand-in-Hand-Arbeiten zu perfektionieren.

Ein bisschen Totentänzer-Nostalgie

Unsere Devotionalien-Ecke

Besondere Herausforderungen stellte die Installation unserer kleinen „Devotionalien-Ecke“ an uns, in deren Verlauf wir kostbare historische Poster mit Gewebeband an die tesafilmresistenten Wände pappen mussten und so spektakuläre (und natürlich nicht ganz ernst gemeinte) Exponate wie „Aleas Bonbonpapier“ und „Falks Zigarettenkippe“ in den eigens dafür bestimmten Schrein positionieren. Auch authentisches Werbematerial von Band und FC aus unserem Archiv haben wir mitgebracht.

Flux Weinturm beim Totentänzer-Treffen

Unser Lieblingsschankwirtspaar Flux und Roma und die Band

Fast unbemerkt im geschäftigen Trubel taucht auch unser Lieblingsschankwirtspaar Flux und Roma auf. Beide richten in einer Nische eine Mobilversion von „Flux seine Frau ihr Weinturm“, der beliebten Pilgerstätte für NRW-Totentänzer zur Weihnachtszeit ein. Auch der Partycaterer ist pünktlich zur Stelle und serviert allerlei warme und kalte Köstlichkeiten auf großen Platten und Töpfen.

Langsam wird es spannend: Vor dem Spielplatzhaus tauchen die ersten Gäste auf und – man fasst es nicht – bilden eine Schlange. Wie vor einem Konzert! Unserer Jungs vom Secret Service, Jens, Bärchen und Christian, sind auf dem Posten um die Teilnehmerliste abzuhaken, Bändchen zu verteilen und überhaupt ihre Aufgabe sehr ernst zu nehmen. Selbst die Spielleute kommen nicht an ihnen vorbei, ohne ordnungsgemäß Ticket und Bändchen vorzuzeigen und sich auf der Liste abhaken zu lassen.

Die Totentänzer-Tafel

Die Totentänzer-Tafel mit den Goodie-Bags für die Gäste.

Der Einlass beginnt, die ersten Teilnehmer betreten unseren schwarz-weiß-dekorierten Festsaal. Im Hintergrund erklingt eine von DJane Tallith zusammengestellte Playlist. Draußen scheint die Sonne. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen verteilen sich die Gäste brav der Reihe entlang an den drei großen Tafeln. Es ist abzusehen, was passieren wird: Die Band, die zwischenzeitlich auch den Weg zum Ort des Geschehens gefunden hat, bekommt ihre eigene VIP-Ecke hinten in der Ecke, wo noch Plätze frei sind.

Nachdem bekannt war, dass einige Musiker die Veranstaltung früher verlassen müssen, nutzen wir die Gelegenheit, Band und Bande wieder ins Freie zu scheuchen, wo gerade auch die Sonne scheint. Es entstehen tolle Gruppenfotos; eine schöne Erinnerung an das Treffen.

Totentänzer-Gruppenfoto mit Saltatio Mortis

Alle Totentänzer mit Band auf einen Blick.

Was den Rest des Tages geschah, lässt sich nicht in chronologischer Reihenfolge zusammenfassen. Wir von der Kleewiese waren überall und nirgends, haben geplaudert und gelacht und uns zwischendurch immer wieder nützlich gemacht. Da die Geschirrspülmaschine nicht nachkam, bildeten sich regelrechter Schichtbetrieb an der Spüle und der Kaffeemaschine; überhaupt verlagerten sich Phasen des geselligen Beisammenseins in die Küche (wo bekanntlich die besten Partys stattfinden), wo zeitweise mehr Spielleute herumstanden als im großen Saal und ihre Spuren hinterließen (z.B. eine Kanne Spielmann-Spezial-Kaffee extra für Herrn von Mümmelstein. Die Kleewiese erfüllt jeden Wunsch. 😉 )

Soweit wir es beurteilen konnten, hatten sowohl Band als auch Gäste Spaß an der Veranstaltung und den kleinen Überraschungen, die wir vorbereitet hatten, zum Beispiel unseren Goodie-Bags mit Süßkram, Buttons, Sammelkarten und einer Kenavo-Fantreffen-Sonderausgabe. Fast wie beim Kindergeburtstag. 🙂

Flux' Sortiment mit der Totentänzer-Special-Edition

Flux‘ Sortiment mit der Totentänzer-Special-Edition

Magister Flux und Roma kredenzten den Gästen leckere Spezialitäten mit und ohne Prozente, unter anderem ausgesprochen köstlichen schwarzen Met (der hoffentlich ins reguläre Weinturm-Programm aufgenommen wird!) Eigens für den Anlass hatte Flux speziell abgefüllte Beerenweine im Totentänzer-Design dabei, die als Erinnerungsstücke guten Absatz fanden.

Alea auf dem Totentänzer-Treffen

Alea auf dem Totentänzer-Treffen

Nach und nach machte sich dann auch die Band wieder zum Aufbruch bereit. Wir waren sehr gerührt (und auch erleichtert) als uns von Bandseite bestätigt wurde, wie chillig und angenehm die Künstler das Treffen empfunden hätten – trotz der relativ großen Fan-Horde in einem begrenzten Raum war es für alle Seiten eine lockere, informelle Begegnung.

Spielmaenner beim entspannten Plaudern

Spielmänner beim entspannten Plaudern

Luzi im GesprächAls der letzte Spielmann den Saal verlassen hatte – das war so gegen drei Uhr – und auch die Kleewiese langsam in den vertrauten Theken-Modus übergehen konnte, wurde der weitere Abend sehr entspannt – eine zentnerschwere Last fiel von uns ab. Wird alles gelingen? Werden Katastrophen passieren? Werden Speisen und Getränke reichen? Nach und nach setzte bei uns die Erkenntnis ein – wir haben es geschafft. Und wir haben es überlebt. Hey – wir sind gut!

Angesichts der voranschreitenden Zeit und weil viele an diesem Sonntag doch noch weitere Heimreisen vor sich hatten, verlief sich die Gästeschar. Gegen halb fünf konnten wir beginnen, langsam auszuräumen; mussten wir das Gebäude doch in besenreinem Zustand wieder hinterlassen. Die letzten Gäste packten denn auch tatkräftig mit an, als es galt, Tische und Stühle wieder zu stapeln, die Dekoration einzusammeln und am Ende das Spielplatzhaus blitzblank zu putzen. An dieser Stelle sei noch einmal allen Gästen gedankt, die so spontan mitgeholfen haben – ihr seid super!

Als wir gegen 18 Uhr, nach zehn Stunden die Location wieder abschließen konnten und zur Nachbesprechung regengeschützt unter dem Vordach standen, waren wir von der Kleewiese und unsere getreuen Helfer einerseits unendlich erleichtert, andererseits aber auch ein wenig melancholisch – über ein halbes Jahr Vorbereitungszeit steckte in dem Event, das dann nach so kurzer Zeit verstrichen war. Entsprechen groggy und kaputt, aber auch emotional berührt und glücklich machten wir uns wieder auf die Heimreise – zurück in unseren gewöhnlichen Totentänzer-Alltag.

Wir hoffen, ihr hattet Spaß und habt die Stunden im Kreise von Band und Fans genießen können. Nicht auszuschließen, dass wir eine solche Veranstaltung wiederholen werden. Vielleicht beim nächsten Jubiläum – wer weiß?

[SB]

Teilnehmer an dem Fanclubtreffen können hier die kompletten Fotos bewundern und in hoher Auflösung (für den persönlichen Gebrauch) downloaden. Hinweis für das (komplett kleingeschriebene) Passwort: In eurem Goodie-Bag waren ein Kenavo-Sonderheft zum Treffen, Totentänzer-Sammelkarten, der Flyer zu der In-Castellis-Tour, Süßigkeiten und ein … 😉