[Kenavo Classics] Alea über Gesang und Performance

Anmerkung: Dieses Interview wurde ursprünglich im Kenavo Oktober 2005  veröffentlicht – wir befinden uns zum Zeitpunkt des Gesprächs in der „Des Königs Henker“-Phase.

LaMaga: Zunächst einmal vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. — Bei den Fans erfreust du dich insbesondere weiblicher Gunst, und deine Gesangsleistung wurde schon vor Erscheinen von „Des Königs Henker“ von der Fachpresse besonders hervorgehoben und gelobt. Kann Alea angesichts von so viel Begeisterung eigentlich noch bescheiden bleiben?)

Alea: Hallo zusammen, dazu kann ich nur sagen, ich hab einfach zu viele Kollegen kennen gelernt, welche meinen, nur weil sie im Rampenlicht stehen gehobene Wesen zu sein. Ich will so bleiben wie ich bin. …..

LaMaga: Die Weiterentwicklung deiner Singstimme im Verlauf der Rock-Alben ist in der Tat enorm. In euren Mitarbeiter-Credits taucht neuerdings ein Gesangs-Coach auf. Hast du erst in letzter Zeit professionelles Training bekommen oder hattest du schon vorher „Gesangsstunden“ (z.B. Schulchor o.Ä.) ?

Alea: Ich hatte schon so manchen Lehrer, jedoch hat mich der Weg der meisten nicht zu dem gewünschten Resultat geführt. Es gibt extrem viele verschiedene Ansichten und jeder Lehrer ist von seiner überzeugt. Ob diese Ansicht die Richtige für einen ist muss man selbst herausfinden. Ein Lehrer kann dir helfen aber auch einiges kaputtmachen. Ich würde sagen das ich nun, nachdem ich seid 10 Jahren singe und 8 Jahre Unterricht nehme, endlich jemanden gefunden habe dem ich vertraue und der mit mir an einem Strang zieht.  Vera Nicklas heißt das Wunder. Irgendwie hat sie die Nerven mich wirklich voranzubringen ohne völlig zu verzweifeln. Seid anderthalb Jahren arbeite ich jetzt mit Ihr und das Resultat spricht glaube ich für sich.

 LaMaga: Wie kam es dazu, dass du die „Stimme“ von Saltatio Mortis geworden bist, wie bist du erstmals als SaMo-Sänger in Erscheinung getreten?

 Alea: Das allererste Mal – ha!  Ich hab mir den Hals wund geschrieen als wir bei unserm ersten Zusammentreffen auf der Ronneburg gedudelt haben. Ich glaube, ich war einfach das lauteste Großmaul.

 LaMaga: Insgesamt ist der Gesang auf „Des Königs Henker“ härter und „aggressiver“ geworden. Waren die neuen Songs schwieriger einzusingen als die älteren Stücke – nicht unbedingt nur im stimmtechnischen Sinne?

 Alea: Härter und aggressiver… Ich würde sagen ehrlicher! Vera hat mir im Studio die Angst genommen, das zuzulassen, was aus mir herauskommt. Es ist das erste Mal das ich mit meiner Stimme auf einer Aufnahme wirklich zufrieden bin. Der Gesang gibt das wieder was ich bei den Songs fühle und damit ausdrücken will.  Zu dem Punkt schwieriger: Vera hat mich schon ziemlich hart rangenommen unterstützt von Trosi und Lasterbalk. Aber ich glaube das war auch das was ich in dem Moment gebraucht habe.

 LaMaga: Sowohl deine Stimme als auch deine Bühnenperformance nimmt zunehmend individuellere, dir als Künstler eigene Züge an. Wenn man dich so beobachtet, wirkst Du bei aller Power und Körpereinsatz entspannter und souveräner in den Anfängen der Rock-SaMos. Liegt deine Stagepräsenz bis zu einem gewissen Grad eine bewusste  „Regieanweisung“ zugrunde oder verhältst du dich ganz spontan?

Alea: Es gibt keine Regieanweisung es gibt nur die Band und das Publikum. Manchmal bringt mich die Spontaneität sogar in Probleme und ich würde mir wünschen ich hätte einen Regieplan der mich rettet. Aber auch dann gibt es nur die Menge und die Band um mich aufzufangen. ( Manchmal echt wörtlich zu nehmen ). Und zu dem souveräneren Auftreten, hm vielleicht hab ich immer versucht zu sein und beginne jetzt einfach zu sein. ( Puh, klingt das esoterisch…)

 LaMaga: Bei den Rock-Shows moderierst du nun auch weite Showstrecken selbst und trittst so immer mehr als „Frontmann“ der Gruppe in die Wahrnehmung des Publikums. Identifizierst du dich durch diese neu gewichtete Rolle bei Rock-Events anders als zuvor?

Alea: Ich würde sagen es gibt mir mehr Sicherheit. Ich habe einen engeren Kontakt zum Publikum und ich musste feststellen das diese Verbundenheit zu den wichtigsten Dingen gehört die ein Sänger braucht. Man wird sicherer und freier auf der Bühne

 LaMaga: Hast du Show-Vorbilder, in deren Fußstapfen Du treten möchtest?

 Alea: Ich glaube als wirklich großes Vorbild kann ich nur einen nennen, Freddy Mercury. ( Schwer zu erreichen, ich weiß )

 LaMaga: Hat deine Popularität als Saltatio-Stimme Auswirkungen auf deinen Alltag? Wirst du beispielsweise von Fans belagert oder bekommst Sonderrabatte im Plattenladen?

 Alea: Nö,  überhaupt nicht. Ich bekomme zwar Sonderrabatte in einem Plattenladen hier in Kaiserslautern, aber das liegt daran das ein Kumpel von mir der Chef der Abteilung ist.

 LaMaga: Wie muss man sich deinen Tagesablauf außerhalb von Tourphasen vorstellen? Hast du tägliche Verpflichtungen wie Gesangs- oder Fitnesstraining?

 Alea: Früh aufstehen, ja ich bin eine Schande für die Musiker Zunft, Abends ab 24 Uhr tot und morgens ab 7 Uhr wach. Ordentlich Frühstücken ( ganz wichtig sonst werd ich grantig ) An Songs arbeiten. Gitarre spielen. Vor mich hinträllern. Bandarbeiten erledigen. Wenn es die Möglichkeit gibt ein bisschen jobben. Gesangstraining mach ich meistens beim Autofahren. Fitnesstraining, nur wenn ich Zeit dazu habe, die letzten 2 Monate war ich gar nicht. Ansonsten bin ich ein DVD JUNKY.

 LaMaga: Fällt es dir schwer, von Rock auf Mittelalter „umzuschalten“, wenn ihr Märkte und Festivals in Folge spielt?

 Alea: Ganz und gar nicht. Ich find’s toll. Hauptsache ne schöne Bühne, Saltatio und ein geiles Publikum.

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