Interview – Bruder Frank als Kamera-Mann

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HeimSpiel 365Wenn man an Asiaten mit Kamera denkt, fällt dem Durchschnittsbürger vermutlich zunächst der klassische japanische Tourist auf Neuschwanstein ein. Saltatio Mortis Fans hingegen denken sofort an Bruder Frank, der uns an seiner Sicht der Welt durch das Objektiv teilhaben lässt. Das demnächst auch in Buchform – was liegt da näher, als unserem Lieblingsbassisten und Medienexperten ein paar Fragen zur Welt des Fotografierens und dem Fotobuch HEIMspiel zu stellen ? Viel Spaß beim Lesen!

 

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Hallo Frank, wir freuen uns sehr, dass du die die Zeit für dieses Interview nimmst. Dass du der Bassist und die gute Seele von SaMo bist, wissen ja alle, aber dass du demnächst ein Fotobuch veröffentlichst, hat vielleicht noch nicht jeder Fan auf dem Schirm. Und da fragt man sich natürlich: Wie bist du eigentlich zur Fotografie gekommen?

Bruder Frank

Bruder Frank: Ich bin über eine Wette zur Fotografie gekommen, und zwar durch meinen guten Freund Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein. Wir wurden 2011 von Gisbert Hiller, dem Veranstalter des MPS, für den wir jetzt schon einige Jahre spielen, nach Afrika eingeladen. Es stand im Februar 2010 schon fest, dass wir da mitgehen. Und dann waren wir auch auf Tour, und ich hab schon immer gerne Fotos angeguckt, bei einem guten Foto bin ich immer mal eher hängen geblieben und hab erst später in der Zeitschrift weiter geblättert. Wir waren in Ingolstadt und unsere Techniker wollten uns nicht in der Nähe der  Bühne haben, also waren wir im Stockwerk oben drüber Kaffee trinken und fingen an, über Afrika zu reden. Der Herr von Mümmelstein hatte dadurch, dass er schon vorher in Afrika war, eine Spiegelreflexkamera. So führte ein Cappuccino zum Kaffee und zur Latte und dann meinte ich, ‚oh, ich kauf mir vielleicht auch eine Kamera‘. So entstand die Wette, dass jeder von uns in Afrika zehn Fotos machen wird und das Beste gewinnt. Im Laufe des Sommers habe ich mir dann tatsächlich eine Kamera gekauft. Eigentlich war es impliziert durch diese Wette, dass ich tatsächlich fotografiere, mir das letztendlich nebenbei so ein bisschen als Hobby aufgebaut habe  und heute immer noch so begeistert davon bin, dass es mehr war als ein Hobby.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Hast du einen Fotografie-Kurs absolviert oder bist du ganz autodidaktisch an die Sache heran gegangen?

Bruder Frank

Bruder Frank: (lacht) Ich habe nie einen Kurs zur Fotografie gemacht. Ich war im vergangenen Jahr einmal im Zuge einer Produktpräsentation der Firma Adobe – die Photoshop und Lightroom und solche Dinge herstellen –  in Köln. Bei der Veranstaltung war ein Bildbearbeiter dabei, der sehr kreative Dinge damit macht, und ein Konzertfotograf. Das war spannend, aber es ist in so einem Umfeld für mich eher spannend, wie die Leute das Drumherum erleben, erledigen, bzw. wie sie es schaffen, über längere Zeit kreativ zu bleiben und woher ihre Inspiration kommt. Das interessiert mich eher, da viele Dinge wie Auf-den-Auslöser-drücken oder Licht einstellen eben viel Ausprobieren sind. Man kann zwar auch in Büchern festhalten, wo steht welches Licht und so weiter – aber so etwas interessiert mich eher bei Leuten, die ich Vorbilder nenne.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Mit was für einer Ausrüstung bist du unterwegs, wenn du fotografierst?

Bruder Frank

Bruder Frank: Ich habe mit einer Canon 5D Mk III begonnen. Der eine oder andere denkt wahrscheinlich, ja, wenn man damit anfängt, macht man automatisch gute Bilder. Ich hab mal in einem Blogpost auf meiner Seite geschrieben, meine ersten drei Bilder waren schwarz und genau das waren sie auch, weil ich mir die Kamera mit null Ahnung gekauft hatte. Ich glaube, ich hatte in der ersten Woche ein Fotobuch gekauft, das ich immer noch habe, doch der Rest ist learning by doing. Ich lerne viel im Internet, ich lerne in Gesprächen mit Kollegen oder mit Fotografen, die wir unterwegs und auf Tour kennenlernen. Das Standardobjektiv war ein 24-105 mm Zoomobjektiv von Canon, das war mit dabei, aber das habe ich inzwischen nicht mehr. Dann hab ich mir für Afrika noch ein Tele geholt, von einem Kindergartenfreund der zufällig Fotograf ist und es verkaufte. Das benutzte ich längere Zeit, aber auch das habe ich aber auch nicht mehr.016-Hinterhof-in-Berlin_klDann hab ich noch ein Weitwinkelobjektiv, und Anfang des letzten Jahres, als wir in Berlin im Studio waren ergab es sich, dass wir einen Tag frei hatten. Wir waren morgens frühstücken und der Tag fing ganz gut an und nachmittags waren mein Kollege Lasterbalk und ich in einem Fotogeschäft und haben der Verkäuferin zwei Canon 5D Mk III abgeschwatzt. Die Canon 5D Mk II – die erste Spiegelreflexkamera, die HD-Videos aufnehmen konnte – war viele Jahre ein Standardmodell im Profibereich, und der Nachfolger, die Canon 5D Mk III kam im Laufe 2012 heraus. Im Moment habe ich noch beide, und das bleibt auch erst mal so. Ich behalte beide, solange ich das Fotobuch mache, aber ich hab mich auch so daran gewöhnt, aus Sicherheitsgründen beide Kameras zu haben, denn von der Qualität der Bilder gibt es keinen großen Unterschied, aber das neuere Modell ist von der Verarbeitung her viel schneller, der Chip ist natürlich ein bessere, aber von der Auflösung und so sind die beide gleich.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Angenommen, jemand hat noch gar keine Berührungspunkte mit Fotografie gehabt: Was empfiehlst du als Einstieg, sowohl an Ausrüstung als auch von der Herangehensweise her?

Bruder Frank

Bruder Frank: Als ich angefangen habe herumzufragen, was für eine Kamera ich mir denn kaufen soll – denn eigentlich hatte ich längere Zeit mit einem viel günstigeren Modell geliebäugelt, und zwar eher weil ich mir die teure Kamera nicht leisten konnte – hab ich tatsächlich in einer Angebotswoche morgens beim Zähneputzen erfahren, dass es „nur bis Mittwoch 19%“ gibt . Also war ich ein paar Stunden später im Laden und hab zum Glück noch die letzte Kamera bekommen. Dementsprechend, auch wenn ich das damals für eine blöde Antwort hielt, würde ich jedem sagen: Entscheide dich, ob Spiegelreflex oder nicht – denn Spiegelreflex hat gewisse Vor- und Nachteile. Ich wäre manchmal froh, wenn das ganze Equipment kleiner und leichter wäre. Der Vorteil bei Spiegelreflex ist der, dass man durch neue und andere Objektive viel aufwerten kann, ohne dass man gleich komplett neues Material kaufen muss. Ich würde jedem sagen, schau wie viel Budget drin ist und plane in dieses Budget sofort Kamera und Objektiv ein, das gibt es meist ja als Paket; ebenso würde ich dazu raten, gleich ein kleines Stativ mit einzuplanen und eine gute Tasche, gerade wenn man viel draußen und bei Wind und Wetter unterwegs ist. Es ist egal, ob die Kamera ein paar Hundert oder ein paar Tausend Euro kostet: Wasser ist Wasser und runterfallen ist runterfallen. Das sollte man ins Budget mit einplanen. Dementsprechend würde ich noch empfehlen: Ein Buch – es gibt Bücher passend zur Kamera. Das habe ich nicht, ich habe ein Fotobuch, das jedes Thema mal so ein bisschen mitnimmt. Die Kameras können fast alle das gleiche, vielleicht heißt ein Begriff beim einen Kamerahersteller anders als beim anderen. Und dann würde ich mich noch fragen, was für Fotos schaue ich mir gerne an? Schau ich gerne Bilder von Leuten an, schau ich gern Bilder von Tierchen an, von Landschaften, Nachtfotos und so weiter. Man kann ein paar Themen herauspicken und dann recherchieren: Wer sind da gute Fotografen? – mit dem Hintergedanken, dass diese Fotografen auf ihren Webseiten vielleicht mal den einen oder anderen guten Tipp hergeben.105_nachtgewitter_klIch bin sehr früh auf einen amerikanischen Fotografen gestoßen, der heißt Chase Jarvis. Dieser Mann ist Autodidakt und hat trotzdem Leute wie George Clooney und für viele große Firmen fotografiert, hat immer sein Ding gemacht. Das zeigt auch, dass man Dinge erreichen kann, egal ob als Hobby oder als Beruf. Und dann würde ich einfach ausprobieren: Rausgehen, bei Wind und Wetter, bei Sonnenschein, bei Nacht und so weiter, und einfach gucken: Okay, das Bild ist verwackelt. Da google ich doch mal „verwackeltes Foto“ – was kann ich besser machen. Und dann einfach: Stück für Stück. So lernt man.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Nun kommt ja demnächst dein  Fotobuch heraus – wann eigentlich?

Bruder Frank

Bruder Frank: Das genaue Datum steht noch nicht fest, da meine Graphikerin noch so eine Band aus dem Mittelalterbereich betreut und da noch ein Projekt mehr oder weniger vornan steht. Außerdem bin ich noch im Moment noch gerade bei der Bearbeitung einiger Fotos. Ich werde in den nächsten Tagen mein Publikum fragen, welche Infos sie denn gerne in dem Buch sehen würden. Ich hab natürlich schon gewisse Themen und Infos zu Bildern für mich bereit gestellt, aber vielleicht gibt es ja bestimmte Hintergrundinfos oder Elemente , die der eine oder andere Leser oder Vorbesteller gern im Fotobuch sehen möchte. Vielleicht hab ich auch nicht an alles gedacht – mal schauen, was da an Emails an mich heran kommen wird. Das Datum steht noch nicht fest, ich schätze aber dass es Richtung April gehen wird.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Heißen wird das Buch HeimSPIEL – der Titel deutet darauf hin, dass du Fotografie als etwas Spielerisches empfindest. Ist das so?

Bruder Frank

Bruder Frank: HEIMspiel:365 – Ich glaube, es ist eher das Wortspiel mit meinem eigenen Namen, aber wie bei vielen Dingen die ich so mache, und der eine oder andere wird die Band verfolgen und was wir auf den sozialen Medien so von uns geben, merkt schon, dass ich sehr viele Dinge mache. Für mich ist das alles keine wirkliche Arbeit, auch wenn ich mal zwei Stunden mit einem Foto verbringe, das ich geschossen habe und dann nachbearbeite. Und auch wenn das Foto dann gar nicht im Fotobuch landet sondern vielleicht als Print bei jemandem an der Wand – dann hab ich da einfach Spaß dran und ich glaube, man macht sich sehr viel Stress, wenn man Dinge nicht so angeht.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Wer hat letztlich die Auswahl der Bilder übernommen? Gibt es da eine Art Redaktion?

Bruder Frank

Bruder Frank: Doch, es gibt Vorauswahlen. Ich hab Bilder veröffentlicht – ich mach ja immer die ganzen Vorschau-Bilder, und die Leute können so die Entwicklung des ganzen Buches sehen. Nur war gegen Ende des Jahres durch die Tour und diese Dinge meine Zeit etwas knapp. Ich hab zwar weiter nachbearbeitet, habe teilweise aber nicht online gestellt.038-Lachen_ist_gesund_klDas wird jetzt alles noch geschehen, bis das Buch heraus kommt. Aber wir haben jetzt gerade den sechzehnten Tag nach meinem letzten Bild und da ich vor Kurzem noch mal in Asien war wie auch Mitte letzten Jahres noch mal, gab es eine Menge Bilder, die teilweise privater Natur sind, teilweise fürs Fotobuch bestimmt – und da bin ich im Moment noch nicht durch. Das mache ich quasi ein bisschen in Absprache mit meiner Grafikerin.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Wie gehst du auf Motivsuche: Fotografierst du spontan, was dir vor die Linse kommt oder gehst du gezielt auf die Suche nach Motiven?

Bruder Frank

Bruder Frank: Wenn wir vom Fotobuch sprechen, war es im letzten Jahr, im Jahr 2013, tatsächlich mein Auftrag, jeden Tag ein brauchbares Foto zu schießen. Das ist die ersten drei Monate enormer Spaß und es war mir auch klar, dass es irgendwann geschehen wird, dass man mit der Zeit schon wirklich überlegen muss, okay: Was fotografiere ich denn noch? Bei mir ist das so: Ich bin sehr viel unterwegs – nicht nur mit der Band, sondern auch standortmäßig, weil ich eben im Ruhrgebiet wohne und die Band in Karlsruhe ist und ich auch noch in Kaiserslautern unterrichte – teilweise, ein Großteil meines Unterrichtes läuft mittlerweile online über Skype, was mir enorm viel Fahrzeit spart.003_tinto_klWenn ich fünf Tage hintereinander daheim bin, kann ich nicht jeden Tag meinen Hund oder den Briefkasten fotografieren. Da muss man mit der Zeit etwas kreativer werden. Mein Ziel war auf jeden Fall, jeden Tag eine Auswahl zu haben, mindestens zwischen zwei Fotos oder Motiven, wo ich dann sagen kann, das Bild ist künstlerischer, hier ist die Idee dahinter besser. Darüber muss man tatsächlich mal einen Tag lang nachdenken. Der kürzeste Moment ist tatsächlich, auf den Auslöser zu drücken. Aber man muss erst einmal schauen, wie gehe ich ein Objekt an, oder manche Szenerien passieren einfach und wenn man Glück hat, hat man gerade die Kamera griffbereit und eine Minute später ist es zu spät. Manche Daten habe ich tatsächlich bewusst geplant oder gewählt, manche Dinge sind mir passiert und ich war irgendwie dabei.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Was reizt dich an einem Motiv und was entscheidet über die Eignung für ein Foto?

Bruder Frank

Bruder Frank: Es ist wie mit musikalischen Dingen – man hört etwas oder man sieht etwas und man denkt sich, okay, irgendwie bleibe ich jetzt gerade daran hängen. Bei der Fotografie ist es so, wenn ich die Kamera in Reichweite habe – und ich bin ja jetzt nicht mehr im Zugzwang jeden Tag ein Foto zu machen. Ich habe auch nicht immer alles Equipment dabei, ich bin manchmal auch bewusst vier Tage lang nur mit einem Objektiv herumgelaufen. Das fördert und fordert Kreativität. Das heißt, ich kann nicht irgendwie eine Straßenlandschaft als Weitwinkel aufnehmen, wenn ich das Objektiv nicht dabei habe. Das heißt, ich muss dann umdisponieren und sagen okay, welchen Teil davon kann ich denn beleuchten. So komisch das klingt: Das Typische in der Fotografie ist eigentlich: Du musst nicht immer alles sehen.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Was fotografierst du lieber – Stilleben oder bewegte Motive? Architektur oder Natur?

Bruder Frank

Bruder Frank: Es gibt Dinge, die mich reizen und Dinge, von denen ich sage, dabei will ich noch besser werden. Was mir leicht von der Hand geht sind Tiere. Das ist für mich kein großer Aufwand, man muss nur je nach Tier schnell sein. Ich hab jetzt im Urlaub einen Waran fotografiert, der war zwei- bis zweieinhalb Meter lang und ungefähr fünf Meter entfernt am Strand. Der hat dann Reißaus genommen, vielleicht weil er gedacht hat, ach ne, ich hab da keinen Bock drauf – da muss man einfach schnell sein, denn sonst ist er weg.104_happy_songkran_klWas mir auf der anderen Seite sehr viel Spaß macht, weil es viele Emotionen transportieren kann ist es, Menschen zu fotografieren, aber aus einer Entfernung, in der sie quasi das Objektiv nicht bemerken. Das kommt dann sehr natürlich rüber, egal in welcher emotionalen Lage man sich gerade befindet. Das finde ich sehr interessant. Die eine oder andere Idee existiert im Moment daraus eine Art Fotoprojekt zu machen, aber das ist bisher nur so eine Idee, die ich mir mal aufgeschrieben habe.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Was empfindest du als Motiv als anspruchsvolleres Projekt: Ein Portrait, bewegte oder vergrößerte Natur, also Makros, Lichtspiele wie Gewitter oder Sonnenuntergänge?

Bruder Frank

Bruder Frank: Kommt immer aufs Objekt an. Ein Makro-Objekt, das nicht weglaufen kann, ist von der technischen Umsetzung her meiner Meinung nach nicht so schwer. Die Frage ist da eher, was möchte man mit dem Bild sagen oder was ist die tatsächliche Geschichte hinter dem tatsächlichen Bild. Ich finde es sehr spannend, Menschen zu fotografieren, und zwar nicht Modefotografie oder sonst irgendwas sondern, einen Menschen quasi so abzubilden, wie er wirklich ist, mit allem, was dazu gehört. Das heißt, wenn jemand gerade einen Scheiß-Tag hatte, kann man das auf dem Foto ganz genau so zeigen wie als wenn jemand einfach den besten Tag seines Lebens hat. Naturfotografien… auch, wobei mich da eher das Besondere reizt. Ich hab das Glück, dass eines meiner Hobbys Reisen ist, und so war ich schon auf sehr vielen Kontinenten und bin da auch noch gerne unterwegs. Ich mag es gerne, Orte zu fotografieren. Das muss nicht der größte Berg sein oder der schönste Tempel, sondern mich interessiert eher das Leben vor Ort.099_und_wie_geht_es_dir_heute_klIch war 2013 während zwei Reisen in fünf Ländern in Asien und habe da sehr viel Treiben und Leben auf der Straße fotografiert. Dieses ist auf jeden Fall im Heimspiel: Ich habe vor dem Königspalast in Thailand einen Mönch fotografiert, der mit seinem MP3-Player im Ohr gerade irgendwelche Vögel gefüttert hat und die Tiere bei ihm auf seiner orangenen Kutte saßen. Und er hat gelacht. Das war mein Motiv. Und zwar nicht, weil die Vögel zu ihm fliegen, sondern weil der Mann in dem Fall so viel Lebensfreude ausgestrahlt hat und die auch so gelebt hat dass es für mich quasi ein tolles Bild war.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: 365 Bilder in einem Buch – und wie viele hast du für dieses Projekt wohl insgesamt gemacht?

Bruder Frank

Bruder Frank: Das weiß ich nicht. Viel zu viel. Ich habe vorhin mal meinen Ordner überflogen – ich kann es in Gigabyte ausdrücken, wobei die Bearbeitungen noch nicht abgeschlossen sind. Es sind auch noch private und Reisefotos und Bandfotos aus dem Jahr 2013 dabei. Der 2013-Ordner ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt 670 Gigabyte groß. Das ist viel.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Bei vielen deiner Bilder fällt auf, dass du eine gewisse Vorliebe für Zentralperspektive hast. Bildet das ein Stück weit auch die Gradlinigkeit in deinem Handeln ab?

Bruder Frank

Bruder Frank: Das sollte man lieber die Leute um mich herum fragen, die mein Handeln tatsächlich geradlinig sehen. Ich würde das eher nicht so sagen. (lacht) Ich mag klare Linien, es kommt aber, glaube ich, aufs Objekt an, auf den Blickwinkel. Es gibt tatsächlich Fotos, mit denen habe ich herumexperimentiert, die sind aber nicht veröffentlicht. Ich veröffentliche in letzter Zeit gar nicht so viele meiner tatsächlichen Fotos, das wird 2014 etwas mehr geschehen, vielleicht wird man da dann noch den einen oder anderen Ausreißer aus dieser Beobachtung sehen. Mir ist das neu.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Was war das beste und das misslungenste Motiv, das je auf deiner Speicherkarte gelandet ist?

Bruder Frank

Bruder Frank: Eines der meiner Meinung nach besten Fotos von mir, hängt gerade vor mir an meiner Wand. Es ist das Weinglas aus Afrika, mit dem ich die Wette gewonnen habe. Ich stand in Namibia im Pool, mit der Kamera, und habe am Poolrand ein Weinglas, das da stand, mit Weißwein drin, fotografiert. Darin hat sich ein Baum, der daneben beziehungsweise dahinter stand, verkehrt herum gespiegelt und dahinter  ging es einen Canyon runter. Das Ganze im Abendrot – das ist sicherlich eines meiner besten Bilder, würde ich jetzt mal sagen. Ich habe aber noch ein paar andere, von denen ich sage, das ist gar nicht so schlecht getroffen. Ein Schlimmstes gibt es nicht. Worüber ich mich ärgere – aber das liegt auch zwei Jahre zurück – sind Bilder aus den Anfangszeiten in Afrika. Die Bilder habe ich in letzter Zeit mal wieder durchgeschaut, da ich im Augenblick mein Tagebuch, das ich jeden Tag in Afrika geschrieben habe und das schon mal auf der Spectaculum-Seite veröffentlicht wurde, nun mit drei Jahren Abstand auf der Gourmett-Seite veröffentliche, die ein Blog über Reisen, Leben und Essen ist. Ich sehe an diesen Bildern eben das eine oder andere vermurkste, weil ich zum Beispiel die Verschlussgeschwindigkeit falsch gewählt hatte und das Bild dadurch ein bisschen verwackelt ist. Das sind Sachen, die passieren mir heute eigentlich nur noch bei einem von dreihundert Bildern, wenn es schnell gehen muss. Ich sage mal, technisch habe ich seitdem eine enorme Entwicklung gemacht. Ich
bin einfach schnell, und das liegt daran, dass man durch ein komplettes Jahr Fotos machen, egal bei welchen Temperaturen, egal bei was für einem Wetter und was für einer Tageszeit lernt, mit seinem Equipment umzugehen. Deshalb würde ich auch jedem raten: Die beste Schule ist rausgehen, sich Fotos angucken, sich die Werte angucken und natürlich wissen – oder zumindest nachschauen – was die bedeuten – und dann jemanden fragen, der sich damit auskennt und sich überall Tipps holen.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Gibt es eine Anekdote zur Entstehung des Fotobuches und das abenteuerliche Leben eines Fotografen?

Bruder Frank

Bruder Frank: Nö. Ich hab nirgendwo einen auf den Deckel bekommen noch musste ich schnell rennen. Vielleicht ist das hier sogar eine eher langweilige Anekdote: Man sitzt manchmal da und guckt seine Kamera an, egal, wo man gerade ist und fragt sich: Was fotografiere ich heute. Das ist wahrscheinlich ähnlich wie wenn man sich fragt: Was koche ich heute. Und dann beginnt man, sich umzuschauen. Und was sich, seit ich fotografiere, seit ich die Welt durch eine Linse betrachte ändert ist tatsächlich der Blickwinkel für Alltägliches und für viele kleine Details. Also, man bekommt einen gewissen Blick, zum Beispiel für ordinäre Haushaltsobjekte. Die sehen durch gewisse Betrachtungsweisen oder durch gewisses Licht, aus bestimmten Blickwinkeln ganz komisch aus.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Bühnenfotos – sicher auch ein wichtiges Thema für einen Musiker. Wie geht es dir und deinem geschultem Auge beim Anblick von Handy-Fotos von SaMo-Konzerten auf Facebook?

Bruder Frank

Bruder Frank: (lacht) Man muss es immer aus verschiedenen Ansichten sehen. Für denjenigen, der das Foto macht ist es eine tolle Erinnerung, für denjenigen, der auf der Bühne steht,ist es manchmal auch ganz witzig, das quasi von außerhalb zu sehen, denn das ist das, was uns niemals passieren wird: Dass wir unsere eigene Show selber erleben können. Auch eine gute DVD-Aufnahme hat nichts mit dem Im-Publikum-Stehen zu tun. Auf der anderen Seite kann man sich drüber aufregen, man kann es auch akzeptieren, man kann es auch toll finden wenn es viele Fotos von allen gibt. Bei mir ist es so, dass ich mich selbst sehr viel mit Fotos auseinander setzte und auch von Fotografen, die bei uns im Graben stehen, teilweise die Bilder bekomme.166_scheiterhaufen_klDa geht es nicht nur um Handy-Fotos, sondern dadurch, dass wir ja auch auf dem Mittelaltermarkt spielen, hat man auch Chancen, mit professionellerem Equipment als einem Handy uns oft und viel zu fotografieren . Ich glaube, was die meisten Leute lernen sollten, ist vielleicht, dass man sich selber die Regel auferlegt: Okay, ich habe jetzt zwanzigmal denselben Musiker innerhalb von zwei Minuten fotografiert. Welches Bild –
und zwar nur eines! – lösche ich nicht? Das ist es, was ich mir manchmal wünschen würde, dass die Leute einfach nur ein Bild auswählen und nicht fünfzehnmal das gleiche Motiv online stellen. Das ist einfach Masse statt Klasse und ich glaube, ein gutes Foto bringt mehr Erinnerungen zurück als dreizehn unscharfe, welche mit falschem Fokus und dann noch eines was ein bisschen komisch aussieht.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Arbeitest du neben Saltatio Mortis auch als professioneller Event-/ Produktfotograf? Kann man dich buchen?

Bruder Frank

Bruder Frank: Das kann man. Ich arbeite ab und zu für eine Agentur und fotografiere, was da gerade gewünscht ist. Ich habe da auch schon Aufnahmen für Magazine gemacht, diese Magazine sind allerdings für deren Geschäftskunden, es ist quasi ein internes Magazin, allerdings mit einer vierstelligen Auflage. Ich habe auch schon Bands fotografiert und so weiter. Es kommt so ein bisschen auf meine Zeit an und wie sehr mich das Projekt reizt.134_baumschmus-weltrekord_klAnsonsten bin ich da offen für alles Mögliche, bei mir ist nur die Zeit eben ein großer Faktor. Und wenn ich die Möglichkeit habe, einer eigenen Vision zu folgen oder eben eine Frau im Supermarkt zu fotografieren,  dann tendiere ich eher zu meiner Sache. Es kommt immer darauf an, was für eine Idee dahinter steckt. Gute Ideen reizen mich eher als ‚oh, ich hab jetzt fünf neue Aufträge‘. Das muss ich im Moment eigentlich nicht haben. Das ändert sich immer ein wenig entsprechend meiner Zeit und meiner Verfügbarkeit. Für eine gute Idee bin ich gerne und schnell zu begeistern. Und damit meine ich nicht, ‚he, kannst du mal mich und meine Freundin fotografieren‘.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Einer deiner Bandkollegen ist ja nun auch fleißig mit der Kamera unterwegs und hat schon Kalender veröffentlicht. Ganz ehrlich: Ist da ein wenig Wettbewerb zwischen euch?

Bruder Frank

Bruder Frank: Nö. Letztendlich hat er nach mir mit dem Fotografieren angefangen. Wir haben mehr oder weniger ähnliches Material an Equipment und haben gerade in der Anfangszeit enorm viel miteinander geredet. Wir hatten eine Streber-Ecke im Bus, wo wir öfter mal auch Fotos bearbeitet haben oder der eine dem anderen mal was gezeigt hat. Man redet eben über ein neues Objektiv, eine neue Kamera oder man hat eine neue Funktion entdeckt – was auch immer. Auch wenn ich auch Landschaften fotografiere, wofür er sicherlich sehr bekannt ist, spiegelt es, glaube ich, ganz gut wie wir wirklich sind. Indem wir ähnliche Interessen oder ähnliche Vorgehensweisen haben, haben wir Berührungspunkte, aber in manchen Dingen sind wir grundlegend verschieden. Mein Kollege Lasterbalk hat sicherlich viele Stunden damit verbracht, in Fotobüchern zu lesen oder über Fotografen zu recherchieren, während ich im Waldstand und darauf achtete, dass meine Kamera nicht nass wird. Das sind einfach verschiedene Herangehensweisen. Jeder hat da sicherlich seine Lernfortschritte, und hier und da schick ich ihm mal eine E-Mail, wenn ich ein Tutorial entdeckt habe, wir reden vom Equipment, das wir für das Saltatio-Fotostudio holen wollen, und wir tauschen uns da unendlich aus. Und wenn wir hier und da mal intern auf Tour Fotos machen, dann ist das eine gute Ergänzung. Denn auch den Fotos die ich mache, bin ich nicht drauf, und bei ihm genauso.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Was folgt nach dem Fotobuch? Ein Reisebildband oder doch eher ein bebildertes Kochbuch?

Bruder Frank

Bruder Frank: Ich habe noch etwas im Hintergedanken, was quasi zu dem Fotobuch gehören wird, was aber wahrscheinlich erst Richtung Herbst Form annehmen wird. Dazu werde ich aber im Moment noch nichts sagen. Es hat, wie gesagt, etwas mit dem Fotobuch zu tun. Dann hab ich ein paar Projekte im Hinterkopf – es passieren ja immer mal wieder Dinge, dass ich die Kameras für Bandgeschichten brauche und dafür die Sachen einsetze- aber das sind immer Dinge, die geschehen einfach.027_white-car_klWir haben jetzt auch fotomäßig nichts Großes in Planung. Ich hab so ein paar Ideen, das wird aber noch ein bisschen dauern. Ich könnte natürlich nächstes Jahr zu zig verschiedenen Reisen zwölf eigenständige Kalender rausbringen, aber ich warte erst mal was der Kollege macht, denn wir müssen uns nicht gegenseitig mit Kalendern bombardieren. Das macht für jeden von uns wenig Sinn. Was ich aber machen werde: Ich werde verstärkt Wandbilder anbieten. Die kann man bei mir auf der Webseite bestellen. Im Moment ist eine kleine Auswahl drin, die ich auch selber bei mir an der Wand habe. Davon wird es mehr geben, das geschieht allerdings alles auch erst nach dem Fotobuch. Ich glaube, ich werde dieses Jahr das eine oder andere Projekt noch angehen. Im Moment ist kein weiteres Buch geplant. Und sagen wir es mal so. Was das Kochen angeht ist die Sache, dass ich im Moment meine Bilder für die Gourmetts, für den Blog, für die Website mache – es ist nicht geplant, dass man das Ganze direkt in ein Kochbuch ummünzt. Mal schauen, vielleicht irgendwann in Zukunft. Oder vielleicht machen wir mit der Band tatsächlich mal ein Kochbuch. Mal schauen. Aber das ist jetzt was, was nicht so schnell wegrennt.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: In welchem Kostenrahmen bewegt sich HeimSPIEL? Auf dem Vorbestell-Formular steht etwas von maximal 50 Euro?

Bruder Frank

Bruder Frank: Das ist eine gesetzte Obergrenze. Im Moment arbeiten die Grafikerin und auch ich parallel, ich bearbeite Infos und Bilder auf, während sie schon an den ersten Designumsetzungen arbeitet, bei denen wir hier und da noch mal was korrigieren. Da ich seit der Ankündigung am 01.01.2013 direkt auch ein Vorbestellformular online gestellt habe, konnte ich nicht ohne Preis hantieren und sagen. Leute, bestellt es vor und dann kostet es am Ende das fünffache von dem,  was der eine annimmt und der andere sagt, das ist ja billig und so weiter. Fünfzig ist die Obergrenze. So wie es im Moment aussieht, werden wir auf jeden Fall drunter liegen. Ich möchte aber – das haben wir mit dem Buch der Band, dem „Arteficium I“ gezeigt – dass es ein vollwertiges, qualitativ hochwertiges Buch ist. Ich selber habe jetzt gerade ein Fotobuch mit thailändischem Essen bekommen. Das Buch ist riesig, größer als ein Leitz-Ordner und es sind Hochglanzbilder drin.092_recht_auf_leben_klEs ist ein wertiges Produkt und ich möchte auch meine Fotos nicht auf Billigpapier oder in schlechter Qualität abgebildet sehen, weil ich einfach glaube, die Arbeit von ungefähr sechzehn Monaten, die ich mir damit gemacht habe, sollte auch dementsprechend adäquat dargestellt werden. Sonst könnten wir unsere Platten ja auch auf Kassetten aufnehmen, weil es billiger ist. Genauso ist es mit meinen Bildern, meinen Prints. Ich wurde gefragt, ob es von meinen Bildern auch Poster gibt. Ich würde mir selber kein Poster meiner eigenen Bilder ins Wohnzimmer hängen. Poster reißen ein, Poster gehen schnell kaputt. Es ist mir nicht den Aufwand wert, dass ich Poster herstellen lassen, weil ein gutes Bild eben auch viele, viele Jahre hält und ein Poster tut es eben nicht, und das finde ich schade. Damit verbrennt man eigentlich Geld.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Und veröffentlicht wird HEIMspiel:365 über euren bandeigenen Verlag?

Bruder Frank

Bruder Frank: Das ist der aktuelle Plan. Es wird über den Saltatio Mortis Medienverlag erscheinen, wobei ich noch nicht sicher bin, ob ich die Vorbestellungen auch direkt über die Versandschiene vom Shop abwickle. Es wird eine ISBN-Nummer geben, das ist schon geklärt, und wir werden den Verlag nutzen. Lasterbalk hat zum Beispiel auch seine Kalender über den Verlag gemacht.

Der kleine Totentänzer

Der kleine Totentänzer: Wir bedanken uns für dieses interessante Interview!

Weitere Informationen über das Fotobuch gibt es natürlich auf Franks Homepage: http://frankheim.com

Alle hier verwendeten Fotos wurden freundlicherweise von Frank zur Verfügung gestellt. Wie wir zu sagen pflegen: Frank sei Dank! :)

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