[Kenavo Classics] Falk über Kostümierungen

Anmerkung: Dieses Interview wurde ursprünglich im Kenavo April 2006  veröffentlicht. In der zu diesem Zeitpunkt laufenden Saison gab Falk mit seinem Kostüm den entscheidendnen Anstoß zum Thema „Piraten on stage“ .

LaMaga: Falk, von allen SaMos bist du derjenige, der die größte Experimentierfreudigkeit mit seinen Kostümen demonstriert. Wir kennen dich mit dem klassischen roten Mittelalter-Mantel, mit der schwarz-silbernen Uniform, auf der letzten Rock-Tour hast du tatsächlich einen Rock getragen und nun bist Du als Pirat unterwegs – du hast Spaß an Verkleidungen, stimmt’s?

 Falk: Ich liebe es mich zu gewanden und zu verkleiden. Kleider machen Leute, heißt es ja so schön. Es ist immer sehr spannend wenn in eine andere Haut schlüpft. Von Kostüm zu Kostüm ändert sich Bewegung, Habitus und Ausdruck. Wenn ich nicht Spielmann geworden wäre, dann wäre ich vielleicht Schauspieler oder Kostümbildner geworden.

 LaMaga: Sind deine vielen und radikalen Veränderungen beim Einkleiden Ausdruck einer Art „Identitätssuche“?

 Falk: Nein eigentlich nicht. Es war mal wieder an der Zeit sich zu ändern. Ich denke Frauen können das am besten verstehen. Sie tun es ja beispielsweise durch ihre jeweils neuen Frisuren. Es zeigt sich hier eher der Wille zum Wandel.

 LaMaga: Was genau stellst Du momentan denn nun da? Ein quotenadliger, dudelsackspielender Pirat ist ja nun etwas ziemlich Ungewöhnliches…

 Falk: Ich würde es mal so sagen, wenn ein verarmter adliger umherziehender Lebemann an Bord eines Schiffes ginge würde er wohl so aussehen. Die Idee kam eigentlich auf dem letzten Markt 2005. Dort hatte die Fackel eine Piratenfahne über unserem Blockhaus/Merchandisestand gehisst. Da dachte ich mir, dass man mal an so einem Kostüm arbeiten könnte. Aber ich bin ja nicht der einzige Pirat auf der Bühne. Es mag verwundern, aber Lasterbalk ist schon seit Anfang an im Piratenlook unterwegs. Ich denke, wir passen dadurch noch viel besser zusammen. Mein alter „Uniformmantel“ war ebenso an einer Admiralsuniform angelehnt. Ich denke ich bin nur etwas konsequenter gekleidet und darüber hinaus viel beweglicher geworden.

 LaMaga: Anhand Deines neuen Hutes könnte man Dein Piratenkostüm auf das frühe 18. Jahrhundert datieren (ja, ich hab mich schlau gemacht!). Ist das eine großzügige Auslegung von „Großmittelalter“ im Rahmen von Hiller-Spectaculi?

 Falk: Das ist relativ einfach. Ich habe mir über die Historische Komponente keine Gedanken gemacht. Vermutlich war mein inneres Vorbild „der Große Bagatelli“, er ist schon seit Anfang an mit Dreispitz unterwegs, Ich werde es aber im Lauf des Jahres mit allerlei Kopfbedeckungen probieren.

 LaMaga: Dein neues Outfit ist wirklich schick – eine Maßanfertigung? Oder hast Du einen bevorzugten Ausstatter für Deine Bühnengewandungen?

 Falk: Diesmal ist es sozusagen von der Stange und von mir bearbeitet. Der Dreispitz stammt von einem napoleonics Reenactment Ausstatter. Die Bauchbinde (Sash) gehört eigentlich an meine Civil War Reenactment Uniform. Die Stiefel stammen von meinem vormals roten Mantel. Die Jacke,  Hose und Hemd kommen aus den USA und sind quasi Museumsrepliken.

 LaMaga: Was für Anforderungen muss ein Kostüm hinsichtlich seiner Funktionalität während der Konzerte erfüllen?

 Falk: Das wichtigste ist, dass man sein Instrument unbehindert spielen kann, dann kommt dazu dass es natürlich nicht zu warm werden darf. Ich will ja schließlich nicht des Hitzschlags anheim fallen. Ich bin alles in allem extrem erfreut über die Bühnentauglichkeit des neuen Gewands. Besonders mit der Sackhaftung unter dem Arm und der Bordun-Beweglichkeit trotz des Hutes bin ich sehr zufrieden.

 LaMaga: Was ist mit Deinen alten Kostümen passiert – Verschleiß?

 Falk: Der alte „Uniformmantel“ war nicht mehr zu tragen. Sein Innenfutter hatte sich aufgelöst und hängt in Fetzen, er wurde mit der Zeit immer länger und ich hatte oft Schwierigkeiten, beim Rückwärtsgehen nicht darüber zu fallen.

 LaMaga: Wie viele Kleiderschränke mit Gewandungen hast Du daheim?

 Falk: Alles in allem werden es wohl 4 oder 5 Schränke voll sein. Dazu noch die Truhen und Kisten mit Rüstungsteilen. Mein Keller ist berühmt und berüchtigt für seine Füllmenge. Ich sammle seit vielen Jahren Kostüme und Gewandungen. Ich habe sozusagen etwas für jede Gelegenheit.

 LaMaga: Und wie viele Schränke mit „Zivilbekleidung“?

 Falk: Nur einen. Und ein Regal voll T-Shirts.

 LaMaga: In den Barrandover Filmstudios in Prag gibt es die Möglichkeit, aus dem Kostümfundus Originalkostüme aus den bekannten tschechischen Märchenfilmen zu besichtigen und auch zu entleihen.  Wenn du dich da austoben dürftest – was wäre das Ergebnis?

 Falk: Ich würde mir zuerst alles ganz genau ansehen, dann einen LKW mieten und so viel ich kann in meinen Keller schleppen.

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