Saltatio Comics – Von der Bühne ins Bild

Der erste Blick aufs Cover des „Schwarzen IXI“, die ersten Werbeflyer im Umlauf, und schon fragte sich die Fangemeinde voller Neugier: Wieso sind die Spielleute plötzlich Comicfiguren im Steampunk-Outfit? — Wir wollten das auch gern wissen und freuen uns, dass unser Lieblings-Quotenadliger sich einem Interview zum Thema gestellt hat. 🙂
Cover der Canvas-Edition von "Das schwarze IXI"

LaMaga: Wir freuen uns ganz besonders, dass Herr von Mümmelstein uns ein paar Fragen zum neuen optischen Auftritt von Saltatio Mortis beantwortet.Wie zu erwarten war, haben die ersten veröffentlichten Bilder vom neuen Artwork die Fangemeinde polarisiert. Nie zuvor hat man euch als Comic-Figuren gesehen – wer hatte diese ungewöhnliche Idee?

Falk: Ich glaube das war lediglich eine logische Konsequenz auf der Entscheidung für ein gezeichnetes Cover. Wenn man daran festhalten möchte, dass wir auf dem Cover zu sehen sind und dieses aber gezeichnet werden soll, dann gibt es uns eben quasi über Nacht auch als Comic Figuren. Mich erstaunt es sehr, dass gerade unsere Fanschaft sich daran scheidet.

LaMaga: Hat sich jeder Spielmann sein Comic-Alter-Ego selbst kreiert oder gab es einen künstlerischen Leiter, der die Rollen verteilt hat?

Falk: Ich war für den Kontakt mit Matt Dixon verantwortlich. Dafür habe ich ihm Material über die Band zur Verfügung gestellt und eine Charakterisierung des jeweiligen Spielmanns. Dann fing Matt an zu zaubern und entwarf die Figuren, in der sich jeder von uns wiedererkannt hat.

LaMaga: Hat das Artwork der CD in irgendeiner Form mit dem Inhalt zu tun – also etwa wie bei einem Konzeptalbum?

Falk: Grundsätzlich halte ich das Konzept eines Konzeptalbums für schwierig. Mir ist außer vielleicht in Form von „War of the worlds“ noch keines über den Weg gelaufen, das seinen Sinn erfüllt hat. Auf der anderen Seite hat die Artwork sehr viel mit dem Inhalt des „Schwarzen IxI“ zu tun. Es ist sehr mythologisch und magisch geworden.

LaMaga: Wie habt ihr es geschafft, einen Zeichner wie Matt Dixon für das Artwort zu gewinnen?

Falk: Das war vergleichsweise einfach. Ich nahm durch eine Empfehlung eines befreundeten Zeichners (Ally Fell) Kontakt mit ihm auf und habe ihm unsere Band vorgestellt und präsentiert. Daneben habe ich ihm noch skizziert, was wir vorhaben – spätestens dann war er Feuer und Flamme. Ich denke ein wichtiger Grund für ihn war, dass ihm einfach gefallen hat was wir tun.

LaMaga: Hat Dein berufliches Standbein als Comic-Laden-Inhaber mit in das Projekt hinein gespielt?

Falk: Aber sicher. Der Umgang mit Comics und deren Zeichnern ist für mich alltägliches Handwerkszeug. Neu war für mich mit diesen dann auf kreative Art zusammen zu arbeiten. Für mich hat sich dadurch ein Traum erfüllt.

LaMaga: Comic und Steampunk und Mittelalter-Rockband – da kommen einige Dinge zusammen, die so auf den ersten Blick gar nicht recht zusammen zu passen scheinen. Da ist ein sehr mutiger, spannender neuer Genremix. Gar keine Angst, die Fans zu verwirren? 😉

Falk: Nein. Ich denke wir verwirren dadurch niemanden, der in der Lage ist sich offenen Herzens auf Dinge die wir tun einzulassen und uns zunächst einmal einen gewissen Vertrauensvorschuss gibt. Über alle Cover und Booklet-Artwork hinweg spannt sich ein großer Bogen, der einem immanenten „Roten-Faden“ folgt. Im Prinzip bin ich der Meinung, dass jeder der über unser Nerd-Gen verfügt dem zu folgen vermag. Es ist ja nicht so, als ob Captain Kirk mit einem Lichtschwert durch Mordor rennen würde. Das wäre nerd-technisch blasphemisch. Wir betrachten uns als Mittelalter-Band. Unsere Live Alben der Manufactum-Reihe belegen das denke ich sehr gut. Wir sind aber auch eine Mittelalter-Rock Band, die sich dem Genre musikalisch verpflichtet fühlt aber sich in ihrem künstlerischen Ausdruck nicht davon einengen lassen will. Was hat denn der Phönix von „Aus der Asche“ oder das Gemälde von DeLacroix mit Mittelalter zu tun? Nichts. Wir haben diese Bilder lediglich aufgrund unserer Ästhetik in den Kontext zu unserer Musik gesetzt und dadurch, schon damals, neues geschaffen. Damit werden wir auch in Zukunft aus irgendwelchen Ängsten heraus nicht aufhören. Man könnte auch sagen: „Wir sind die Künstler, wir definieren unsere Kunst. Wer sich darauf einlassen will, der ist herzlich eingeladen, wer sich davon abschrecken lassen möchte, den wollen wir aus einem unserer Lebensprinzipien heraus nicht missionieren.“ Ganz im Sinne des „Schwarzen IxI“ sagen wir dazu nur: „Tu was du willst!“

Cover der Single "Wachstum über alles"

Cover der Single „Wachstum über alles“

LaMaga: Ohne jetzt auf die lebhafte Diskussion um die verschiedenen geplanten IxI-Ausgaben eingehen zu wollen – woher stammt die Idee mit der bedruckten Leinwand in der Deluxe-Edition? Comic auf Leinwand ist ja zumindest eine ungewöhnliche Kombination von Medium und Inhalt…

Falk: Wie so viele Ideen war dieser Vorschlag, dass man so etwas machen könnte einfach im Raum gestanden. Ich hatte das schon bei anderen Bands gesehen und wusste, dass es rein technisch möglich ist. Da mir die Motive der anderen Bands aber nie gefallen haben war es quasi zwingend das nochmal bei IXI ins Gespräch zu bringen nachdem wir den Vorschlag schon für die „Sturm aufs Paradies“ gemacht hatten. Ich finde die Kombination überhaupt nicht seltsam. Vincent Segrelles malt seine El Mercenario Geschichte auch immer auf Leinwand in Öl statt auf Papier, um dann ein Comic auf Papier daraus zu machen. Comic ist für mich Kunst. Aber ich habe es aufgegeben jeden davon überzeugen zu wollen. Comics sind auch wertvoll und dürfen auch mal prunkvoll daher kommen. Ich liebe solche Sachen wie unsere Canvas Edition.

LaMaga: Du persönlich: Magst du lieber europäische, amerikanische oder asiatische Comics? Wer ist Dein Lieblingskünstler/ Deine Lieblingsserie?

Falk: Grundsätzlich bin ich keinem Genre gegenüber abgeneigt. Meine Favoriten sind aber die klassischen Franco-Belgischen Alben im Hardcover. Es ist einfach fantastisch was es dort an Zeichnern und Kreativen gibt. Am stärksten beeindruck hat mich aber ganz klar Jean Giraud (Möbius). Dann aber auch „neuere“ Teams wie Arleston und Tarquin mit ihren Lanfeust Geschichten oder Froideval und Ledroit mit ihren „Chroniken des schwarzen Mondes“. Über den „großen Teich“ sind es Künstler wie Frank Miller (Dark Knight) oder Garth Ennis und Steve Miller (Preacher) und natürlich ganz besonders die Sandman Serie von Neil Gaiman der damit so etwas wie den ersten richtigen „Comicroman“ schrieb und dabei mit wechselnden Zeichnern arbeitete. Und um es hier klar zu sagen… ich bin DC-Fan. Natürlich sind auch Mangas nicht ohne Einfluss an mir vorbei gegangen. Katsuhiro Otomo hat mit AKIRA wirklich einen Meilenstein der Comic-Geschichte geschaffen. Über Serien die man lesen sollte und auch in welcher Reihenfolge und zu welchem Anlass könnte ich Bücher schreiben…

LaMaga: Danke für das Interview! Wir sind neugierig auf das neue Album und das komplette Artwork!

Falk: Danke für diese schönen Fragen!

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